Macht es aus unternehmerischer Sicht Sinn Kryptowährungen zu akzeptieren?

Kryptowährungen gelten derzeit als sehr spekulativ. Warum sollte ein Unternehmer ein weiteres Risiko eingehen und Bitcoin, Dash & Co als alternatives Zahlungsmittel akzeptieren?

Kürzlich war ich zu einer Fragerunde vom YouTube Channel “Cryptowelt” zum Thema Paymentsysteme eingeladen. Im Anschluss an die Sendung entwickelte sich eine rege Diskussion, in der gefragt wurde:

Macht es aus unternehmerischer Sicht Sinn Kryptowährungen als alternatives Zahlungsmittel zu akzeptieren?

Um diese Frage zu beantworten, möchte ich exemplarisch auf fünf Punkte eingehen, die oft als Argument gegen eine Akzeptanz von Kryptowährungen genannt werden.

Problem 1: Hohe Volatilität

Kursentwicklung Bitcoin / Euro - Quelle: Coinbase
Kursentwicklung Bitcoin / Euro - Quelle: Coinbase

Eins der am häufigsten genannten Argumente, ist die mitunter hohe Volatilität / Preisschwankungen bei den Kryptowährungen.

Und ja, der Preis von Bitcoin, Dash & Co kann einem Tag auch mal um 10% nach unten rauschen – aber genauso auch nach oben!

Was hätte ein solcher Preiseinbruch für Konsequenzen? Ich kann jetzt nicht für andere sprechen. Aber in meinem Unternehmen werden aktuell ca. 1% der monatlichen Umsätze mit Kryptowährungen generiert. Aus Gesprächen mit Kunden habe ich erfahren, dass bei vielen der Anteil der Krypto-Umsätze noch deutlich geringer sind.

Das bedeutet: Bei einem Kursabfall von 10% verringert sich der aktuelle Wert meiner Kryptoeinnahmen – in Euro umgerechnet – um 0,1%.

Aber natürlich nur, wenn ich vor dem 10% Kurssturz Einnahmen in einer Kryptowährung generiere und nach dem Kurssturz diese verkaufe.

Behalte ich meine Coins, passiert gar nichts. Das heißt, dass der Verlust nur dann realisiert wird, wenn ich meine Kryptowährungen zu einem niedrigerem Kurs verkaufe.

Problem 2: Technische Implementierungen ist schwierig

Weit verbreitet ist auch die Meinung, dass der Einbau eines Krypto-Paymentsystems kompliziert sei und damit hohe Kosten beim Support verursachen würde.

Die auf dem Markt befindlichen Krypto-Paymentprovider bieten mittlerweile eine Vielzahl ausgereifter Tools, welche  die Akzeptanz von Bitcoin & Co in z.B. Onlineshops in wenigen Minuten umsetzen lassen.

Bei dem von uns entwickelten CryptoPanel dauert der komplette Prozess von der Neuanmeldung bis zur Aktivierung des entsprechenden Plugins in einem Shopware oder WooCommerce-Shopsystems weniger als 5 Minuten! Ich kenne kein vergleichbares Fiat-Paymentsystem, bei welchem man den kompletten Prozess so schnell durchlaufen kann.

Problem 3: Kryptowährungen sind unsicher

Dass einige Leute denken, dass Kryptowährungen unsicher sind, überrascht mich leider nicht. Denn immer wieder liest man in der Presse von „geklauten Bitcoins“.

Leider wird in vielen dieser Berichte vergessen zu erwähnen, dass der Diebstahl bei einer Exchange, also bei einer Art Bank, erfolgt und nicht zum Beispiel das Wallet eines Shopbetreibers „geknackt“ worden ist.

Aber ja: man muss bei den Kryptowährungen selbst Verantwortung übernehmen. Geht man sorgsam mit den Private Keys um, ist man auf der sicheren Seite.

Problem 4: Umtausch von Krypto in Euro

Als weiteres Risiko wird oft der „komplizierte“ Umtausch in Euro genannt.

Dieses Problem kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Denn die Umwandlung in Euro ist einfacher, schneller und vor allem billiger, als wenn ich Fremdwährungen wie z.B. den US Dollar in Euro umtausche möchte.

Um Kryptowährungen in Euro umtauschen zu können, muss man sich dazu einmalig bei einer Exchange anmelden und verifizieren lassen. Ja, das kann schon ein paar Tage dauern. Aber die Eröffnung eines neuen (Geschäfts-) Kontos für Fremdwährungen dauert deutlich länger.

Besonders praktisch: viele Exchanges bieten Schnittstellen an, über die man den Umtausch auch automatisieren kann. Ich werde in einem späteren Artikel auf diesen Punkt noch genauer eingehen.

Problem 5: Kryptoeinnahmen richtig versteuern

Zugegeben: hierzu muss man sich wirklich etwas mit der Thematik beschäftigen. Aber letztendlich ist es auch nicht komplizierter, als das Verbuchen von Fremdwährungen.

Da ich kein Steuerberater bin, darf und werde ich an dieser Stelle auf diesen Punkt nicht gesondert eingehen. Ich bitte hierzu um dein Verständnis.

Nur soviel: es gibt eine Reihe von Steuerberatern, die sich auf das Thema spezialisiert haben und da sicherlich weiterhelfen können.

Zwischenfazit:

Zweifelsfrei geht der Unternehmer, der sich entscheidet Kryptowährungen als alternatives Zahlungsmittel zu akzeptieren, zusätzliche Risiken ein. Meiner Meinung nach handelt es sich aber dabei um kalkulierbare Risiken, auf die man sich vorbereiten kann.

Ich gehe sogar soweit und behaupte, dass man bei einem Kryptopayment-System viele Probleme der Fiat-Welt nicht zu befürchten hat. Da wären zum Beispiel:

  • Unberechtigte Kontosperrungen aufgrund von „auffälligen Kontobewegungen“
  • Unberechtigte Kontosperrungen, da man versucht hat Zahlungen aus einem Land zu erhalten / an ein Land zu senden, welches auf einer Embargo-Liste steht
  • Fake-Bestellungen mit gestohlenden Paypal / Amazon Kundendaten

Man darf bei den ganzen Argumenten, die gegen Kryptowährungen sprechen, nicht die Chancen vergessen, die sich durch deren Einsatz ergeben. Auch hier möchte ich exemplarisch einige nennen:

Chance 1: Neue Kundengruppen erreichen

Gerade bei ausländischen Neukunden besteht ein erhöhtes Risiko, dass es zu Zahlungsausfällen kommen kann. Da die Vorkasse per IBAN Überweisung besonders aus dem Nicht-EU-Ausland zu lange dauert, ist sie keine sinnvolle Alternative.

Bietet man seinen Kunden als alternatives Zahlungsmittel Kryptowährungen an, kann dieser deine Produkte und Dienstleistung auch per Vorkasse bezahlen und bekommt umgehend seine Leistung geliefert. Siehe dazu auch: “Mit Bitcoin, Litecoin und Dash neue Kunden gewinnen”.

Chance 2: Alternative Werbemöglichkeiten

Will ein Unternehmer auf seine Produkte und Dienstleistungen bewerben, werden dazu oft Anzeigen bei Google, Facebook oder anderen Portalen geschaltet. Jeder, der in einem umkämpften Segment schon einmal Werbung geschaltet hat weiß, dass dabei enorme Kosten entstehen können.

Adressiert man dagegen zusätzlich auch den Markt der Krypto-Enthusiasten, erreicht man zwar aktuell noch eine sehr kleine Zielgruppe, muss sich aber auch gegen deutlich weniger Mitbewerber durchsetzen. Abhängig von der Nische und der Größe des Unternehmens, kann sich auch eine kleine Zielgruppe lohnen!

Eine mögliche Plattform für alternative Werbeformen ist das Sponsoring von Krypto-Meetups. Die meist privat organisierten Veranstaltungen sind für jegliche Art von Sponsoring sehr dankbar!

Du kannst deine Werbebotschaft auf solchen Veranstaltungen noch weiter erhöhen, wenn du selbst bei einem der Krypto-Meetups als Redner auftrittst und dort deine Produkte und Dienstleistungen im Rahmen eines interessanten Vortrages vorstellst. Natürlich funktioniert das nur, wenn Du dann auch Kryptowährungen als alternatives Zahlungsmittel akzeptierst 🙂

Chance 3: Privater Einkauf von Kryptowährungen

Ich gehe mal davon aus, dass Unternehmer, die sich sich für Kryptowährungen interessieren, auch selbst welche halten und auch hin und wieder ein paar Coins / Tokens nachkaufen. Das erfolgt in den meisten Fällen über irgendeine Exchange.

Wenn du zum Beispiel über deinen Webshop Kryptoeinnahmen generiert werden, kannst du diese deinem Unternehmen abkaufen und sparst dir so die Gebühren, die beim Kauf in einer Exchange üblicherweise anfallen würden. Gleichzeitig hälltst du damit sein Unternehmen liquide.

Mein Fazit

Ich habe für mich entschieden, meine Kryptoeinnahmen nicht in Fiat-Geld umzutauschen und sehe sie statt dessen als alternatives Investment.

Wenn es schief geht und die Kurse einbrechen, ärgere ich mich sicherlich. Aber das entsprechende Risiko gehört für mich zum Unternehmertum dazu und ich bin gern bereit es einzugehen.

Denn ich sehe auch die Chancen, die sich durch mein Kryptoinvestment ergeben. Wer weiß, welchen Kurs meine Kryptos in 5 Jahren haben werden 🙂

Disclaimer

Bei der hier vorgestellten Zusammenfassung handelt es sich um meine subjektive Meinung. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal daraufhin weisen, dass dieser Beitrag keine Finanz- oder Rechtsberatung ist.

Das Handeln mit Kryptowährungen ist sehr spekulativ. Es birgt ein hohes Risiko und ist nicht für jeden geeignet. Du kannst Teile oder dein gesamtes Kapital verlieren. Investiere also kein Kapital, das du nicht auch verlieren kannst.

23. Mai 2019